Heute habe ich mal wieder was neues ausprobiert: Linseneintopf. Aber nicht irgendeinen Linseneintopf, sondern einen von diesen Eintöpfen, die einen neugierig machen, weil sie aus irgendwelchen fernen Landen stammen sollen. Der heutige Linseneintopf soll angeblich so auf den Kanarischen Inseln beheimatet sein. Also Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria und wie sie alle heißen. Ich war noch nie dort (obwohl ich Deutscher bin), aber ich weiß wo sie liegen. Das ist immerhin schon mal was und erschien mir ausreichend, um das folgende Rezept für kanarischen Linseneintopf auszuprobieren.

Das uns bei Verzehr dieses echt erstaunlich guten Essens so einige interessante Gedanken durch den Kopf gingen, erwähne ich jetzt nur kurz und gehe am Ende des Rezepts etwas ausführlicher darauf ein.

Doch lass uns diesen genialen und einfachen Linseneintopf zubereiten. Das geht nämlich ziemlich fix. Wenn man etwas schummelt dauert das Kochen nur 20min.
Ich habe zwei unterschiedliche Arten zubereitet: vegan und nicht vegan. die 20min gelten für beide Varianten. Zusammen – nicht additiv.

Die Zutaten

für 5 sehr hungrige Personen

  • 1 große Dose Linsen
  • 2 Gläser Kichererbsen
  • 2 Gläser weiße Bohnen
  • 1 Ring Chorizo
  • 1 große Zwiebel
  • 1 Knolle Knoblauch
  • Gemüsebrühe
  • 1 Dose geschälte Tomaten
  • Salz, Pfeffer, Chilli, Liebstöckel
  • Öl
  • Vorbereitung:
  • Kochzeit:
Wie bereits gesagt – wir haben geschummelt. Nämlich bei den Linsen, den Kichererbsen, den weißen Bohnen, den geschälten Tomaten. Alles aus der Dose bzw. aus Gläsern. Wir haben sogar noch mehr geschummelt, denn die weißen Bohnen gab es in der Bio-Ausgabe nur in Tomatensoße. Da Tomaten bei den kanarischen Linsen sowieso dabei sind, hielt ich es für vertretbar die tomatigen weißen Bohnen zu kaufen. Natürlich kann man den kanarischen Linseneintopf auch von der Pike auf selbst kochen. Man muss aber nicht.Und noch mal zur Erinnerung: ich koche in 2 Töpfen gleichzeitig: vegan und nicht vegan. Der Unterschied liegt in genau einer Zutat!Als erstes schälte ich die Zwiebel und die Knoblauchknolle. Die Zwiebel war wirklich groß. Verwendet habe ich nur die Hälfte. Der Knoblauch war sogenannter „chinesischer Knoblauch“. Daher auch „eine Knolle“. Die runden Dinger sind einfach super zu verarbeiten.
Zwiebel und Knoblauch werden wie gesagt geschält und zerkleinert. In Würfelchen. Jeweils die Hälfte der Haufen wandert in einen Topf. Die andere Hälfte in den anderen Topf! (Ja ja – ich höre schon auf, das jedes mal zu erwähnen. Denke dir einfach die Teilung auf zwei Töpfe jedes mal dazu, ok?) Ein wenig Öl kommt in den Topf und dann geht das Gebrutzel auch schon los.In des die Zwiebel-Knobi-Stückchen sachte im Fett heiß werden und vor sich hin brutzeln, habe ich mir den Ring Chorizo geschnappt und in Scheiben zerteilt. Mit einem Fleischmesser geht das fabelhaft. Ein Kochmesser tut es auch. Die Chorizo hatte ich übrigens aus dem Kaufland. Da gibts diese scharfe Salami in Ringform abgepackt. (Hinweis: die ist echt soooo lecker!) Die Chorizo-Scheiben wanderten sofort in den einen Topf dazu. Der Topf mit Chorizo brutzelt jetzt gar heftig vor sich hin, denn die Wurst sondert jede Menge Fett ab. Kippe das aber auf keinen Fall weg. Du musst nur tierisch aufpassen, dass die Zwiebel- und Knoblauchstücken in dem heißen Fett nicht verbrennen. Wird die Verbrennungsangst greifbar (glaube mir, das merkst du!) öffne die Dose mit den geschälten Tomaten. Darin befinden sich meist 4 geschälte Tomaten. Zwei davon in den einen Topf, die anderen …. Mit etwas Wasser spülst du die Dose, und verteilst das Wasser in beide Töpfe, die sofort Geysiere gebären. Heiß + Wasser = lauter Dampf.Lass alles ein wenig auf mittlerer Hitze köcheln. Rühre hin und wieder um und verkürze dir die Zeit damit, die Dose mit den Linsen zu öffnen, die Kichererbsen in ein Sieb zu kippen und abzuspülen und die Gläser mit den weißen Bohnen schon mal zu öffnen. Nach 2min Köchelzeit verteilst du die Linsen auf beide Töpfe. Da in der Linsendose so eine Gemüsebrühe rumschwimmt, die unverkennbar auch Porree enthält (den ich abgrundtief hasse! Ein Kindheitstrauma!) habe ich den Großteil der Brühe in den „veganen Topf“ gekippt. Die Linsenmasse habe ich annähernd gleichverteilt. Gleich darauf folgten jeweils ein Glas weiße Bohnen und ein Glas Kichererbsen in je einen Topf.

Löffel jetzt noch je einen halben Esslöffel Gemüsebrühe in die Töpfe, ein wenig Salz und Pfeffer dazu. Deckel drauf und noch 10min köcheln lassen.

Eigentlich bist du jetzt schon fertig. Du kannst und solltest noch großzügig Liebstöckel in die Töpfe streuen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken versteht sich von selbst, ist aber zumindest salztechnisch kaum notwendig, da die verwendeten Dosen-Zutaten schon genug Salz enthalten. Die Geschmäcker sind ja aber verschieden.

Das Chilli habe ich dazu gereicht. Ebenso ein Baguette. Von dem hätten es aber auch gut zwei sein können. Bauernbrot macht sich sicherlich auch hervorragend.

Das war’s. Die vegane Variante hat wegen des akuten Mangels an Chorizo anders geschmeckt, als die chorizoverseuchte. Aber für beide Variationen galt: es war … lecker. In echt! Ich habe gefressen wie ein Scheunendrescher. Und das – wo ich doch kein Linsenfreund bin und diese merkwürdigen Schwaben hierzulande bei Linsen mit Spätzle nur mitleidig verständnislos anglotze.

Dieses Linsengericht ist genial einfach (wenn man schummelt) und eignet sich auch hervorragend als Partysuppe. Zusammen mit Brot kredenzt kommen die kanarischen Linsen sicher auf einer Feier sehr gut an. Besonders, wenn die Gäste dann irgendwann mit Sicherheit gehen werden, denn …

Ich weiß jetzt, warum es auf den kanarischen Inseln soviel Wind gibt. Mir ist es heute gelungen, das Geheimnis um die Kanarischen Winde zu lüften. Das hat weniger mit irgendwelchen mystischen Passatwinden oder fehlenden Wolkenkratzern als Windfängern um die Kanarischen Inseln herum zu tun, sondern es liegt einzig und allein an den kanarischen Linseneintöpfen. Diese wunderbare Zusammenrottung von weißen Bohnen, Linsen und Kichererbsen – alles Hülsenfrüchte! – hat einen gar merkwürdigen Einfluß auf den menschlichen Organismus. Da auf den Kanarischen Inseln viele Kanarienvög … Kanaren leben, die aus absolut nachvollziehbaren Gründen den kanarischen Linseneintöpfen sehr zugetan sind, produzieren ebendiese vielen Kanarier jeder für sich kleine kanarische Hülsenwinde, die – so man die Menge der Einzelwinde bündelt – zu einer riesigen Menge Wind führen muss. Und deshalb weht es auf den Kanarischen Inseln so dolle. Jawohl.

Die recht isolierte Lage der Kanaren im Atlantik hat übrigens verhindert, dass aufgrund irgendwelche Genfer Konventionen Sanktionen gegen die Kanarischen Inseln notwendig wurden. Warum aber soviele Deutsche da jedes Jahr hin wollen ist mir seit heute unklarer denn je.

One thought on “Linseneintopf ala Kanaren

  1. Pingback: Spanische Kartoffeln : Ichkochwas.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.