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Der Herbst wütet gerade fürchterlich am Bodensee. Die Sonne existiert nur noch in alten Erzählungen. Das Tagesgeschehen wird vom Nebel des Bodensees ummantelt. Eigentlich ein perfektes Eintopf-Wetter. Wenn wir uns die letzten Wochen nicht fortwährend von Suppen ernährt hätten, würde es womöglich Kartoffelsuppe heute geben. Das ging mir durch den Kopf, als ich den Speiseplan ausarbeitete. Ich entschied aber, dass eine Suppe am Wochenende reicht. Die gibt’s morgen. Es werden die legendären Kanarischen Linsen sein, welche ich im Frühjahr 2013 ausprobiert und für genial befunden hatte.

Heute aber wollte ich „Spanische Kartoffeln“ machen. Einerseits, weil das Rezept total einfach ist und schnell geht, wenn man die Vorbereitungen mal abgeschlossen hat, andererseits weil ich als Nichtveganer dazu eine Beilage meiner Wahl aussuchen konnte. Ich dachte an Hackfleischbällchen und die Entscheidung war gefallen.

Spanische Kartoffeln mit optionalen Hackfleischbällchen

Spanische Kartoffeln mit optionalen Hackfleischbällchen

Die Zutaten für 5 Personen

  • 1 kg Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 EL Paprikapulver, edelsüß
  • 2 Dosen geschälte Tomaten
  • 1 EL Sherry-Essig
  • Petersilie
  • Salz, Pfeffer
  • 2 Chilischoten (siehe Hinweise im Rezept)
  • Vorbereitung:
  • Kochzeit:
Ich habe die Spanischen Kartoffeln in der kinderfreundlichen Variante zubereitet. Ich schicke das gleich voraus, denn in den Zutaten sind Chilischoten angegeben, welche bei mir heute nicht zum Einsatz kamen, die jedoch für scharfe Esser mit entsprechend trainierten Esswerkzeugen den nötigen Kick in das Futter bringen. An geeigneter Stelle werde ich diesen Punkt noch einmal kurz aufgreifen.

Dieses Rezept für spanische Kartoffeln beginnt wie so viele Kartoffelrezepte: mit dem Schälen der Kartoffeln. Ganz offensichtlich werden nicht nur hierzulande in Deutschland die Kartoffeln total verdreckt aus der Erde geholt. Auch in Spanien dürfte dies der Fall sein. Mir ist jedenfalls nicht zu Ohren gekommen, dass spanische Kartoffeln an Bäumen hängen. Nein – sie werden aus der Erde gebuddelt und sind wie ihre deutschen Schwestern mit einer Schale versehen, die zu entfernen den Genuß von Kartoffeln enorm steigert. Es sei denn, man steht auf das knirschende Geräusch, welches kleine Partikel sandiger Erde beim Kauen verursachen.

Zu den Kartoffeln: Idealerweise benutzt du kleine Kartoffeln. Kleine Kartoffeln machen mehr Arbeit beim Schälen als große, aber sie sehen nachher auf dem Teller besser aus. Wem das egal ist – so wie mir – der nimmt ganz normale Kartoffeln und würfelt die nach dem Schälen in grobe Einzelstücke. Aber erst nach dem Schälen bitte. Das Kartoffelschälen geht am leichtesten mit einem Gemüsemesser oder einem Schäler vonstatten. Ich nutze für größere Kartoffeln immer einen Pendelschäler, für die kleinen greife ich zum Gemüsemesser.
Nach dem die Kartoffeln geschält sind – die Kartoffelschalen kommen übrigens gleich in den Biomüll! – werden sie mit Wasser gewaschen und anschließend wie bereits erwähnt in sehr grobe Stücke zerteilt. Die kleinen Kartoffeln bleiben einfach wie sie sind.

Ab in einen Topf mit den Kartoffeln, Wasser dazu, mit 2-3 TL Salz verdünnen – oder umgekehrt – und Energie unter den Topf. Wenn die Kartoffeln kochen, gib ihnen 10min weitere Kochzeit. Da die Kartoffeln recht klein sind, garen sie schneller durch als die großen Kartoffelknollen. Für dieses Rezept garen wir sie einfach recht weit vor; weich werden sie im finalen Kochgang von allein.

Während die Kartoffeln langsam im Topf zu schwitzen anfangen, widmen wir uns der Zwiebel, dem Knoblauch sowie den Chilischoten (sofern wir sie nutzen). Erstere werden geschält und fein zerkleinert. Wie das funktioniert, kannst du in diversen anderen Rezepten hier ausführlichst nachlesen. Oder hier: Zwiebeln schneiden. Für den Knoblauch ist die Zwiebelanleitung ohne weiteres adaptiertbar, nur das du beim Knoblauch noch feiner arbeitest.

Die Chilischoten werden der Länge nach aufgeschnitten und dann mit dem Messer der kernige Inhalt herausgeschabt. Das ist für diejenigen Esser, welche es scharf, aber nun auch wieder nicht sooooo scharf mögen. Damit ist auch klargestellt, dass die echten, harten Scharfesser auch die Kerne der Chili mitfuttern. Den Rest der ganzen oder entkernten Chili schneidest du in schmale Ringe/Streifen.
Warnhinweis: Wenn du Chilischoten bearbeitest darfst du unter keinsten Umständen mit den Fingern im Gesicht herumfuhrwerken, die kurz vorher die Chilischoten massiert haben. Das brennt u.U. höllisch und besonders die Augen vermögen als Schmerzwellengeneratoren ganze Kochherden an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Also merken: Chilischoten bearbeiten und danach gleich Pfoten waschen. In echt jetzt!

Die Kartoffeln dürften ihre 10min Heißbad hinter sich haben. Wenn dem so ist, kippe das Kartoffelwasser ab. Das geht ganz einfach und du brauchst dazu nur 2 Topflappen. Lege auf jeden Griff je einen Topflappen so, dass der halbe Topflappen auf dem Topfdeckel zu liegen kommt. Greife nun mit je einer Hand an eine Seite des Kochtopfs und schiebe den Topfdeckel ganz sacht ein Stück zu dir. Auf der anderen Kochtopfseite entsteht ein Spalt aus dem Dampf entweicht. Du bist an dieser Stelle froh, dass du Topflappen benutzt, denn sonst würdest du dir dabei die Flossen verbrennen, dass dir Hören und Sehen vergeht.
Durch den Spalt kann das sehr heiße Kochwasser spielend aus dem Topf raus laufen, wenn du den Topf entsprechend neigst. Wenn du das gerade nachmachst, wird dir spätestens jetzt dämmern, dass du dies nicht über dem Herd, sondern über einem Becken machst. Ansonsten korrigiere deinen Standort und mache gleich nacher den Herd sauber. Danke!

Schnappe dir nun einen großen Kochtopf, stelle ihn auf den Herd und kippe so 2-3 EL Olivenöl rein. In dem du die Energiezufuhr unter dem Topf aktivierst, wird das Öl zügig heiß, worüber sich das Zwiebel-Knoblauch-Kleinzeug freut, denn es darf darin baden. Der Koch sagt dazu: dünsten. Wenn die Zwiebeln diesen berühmten glasigen Zustand bekommen haben, schaufelst du das Chiliklein und 1EL edelsüßes Paprikapulver dazu und brätst beides so 2min mit. Dabei musst du jetzt bei der Sache bleiben, denn das Zeug brennt ohne Aufsicht sehr leicht an. Also rühre und schabe mit dem Kochlöffel fleißig im Topf herum.

Kippe die Kartoffeln in den Topf: also aus dem entwässerten Kartoffelkochtopf schüttest du die Kartoffeln in jenen Topf, wo die rotbraune Pampe brät. Rühren! Die bis dato bleichen Kartoffeln finden das ganz rührend und verfärben sich spontan rot. Sieht richtig gut aus. Schütte jetzt die 2 Dosen geschälte Tomaten dazu. Ohne die Dosen freilich! Oh – ein Esslöffel voller Essig findet ebenfalls den Weg in den Topf. Wenn du hast nimm unbedingt Sherry-Essig dafür. Es geht aber auch normaler Essig, der bringt jedoch nicht diese gewisse Note. Verrühre alles miteinander und würze mit Salz und Pfeffer vorsichtig an. Falls dies dein erstes Ichkochwas.de-Rezept ist hier noch einmal die eherne Regel für Köche:

Es ist einfacher fehlendes Salz nachzuschütten, als zuvieles Salz aus dem Essen wieder herauszuextrahieren!

Mit Pfeffer verhält es sich übrigens genauso.

Mach nun den Kochtopf mit einem passenden Deckel zu und lass seinen Inhalt für 10min leicht köcheln. In dieser Zeit garen die Kartoffeln jetzt endgültig durch.

Und weiter?

Nix weiter. Naja fast. Für das Auge hackst du jetzt noch nen halben Busch Petersilie klein. Ein halber Petersilienbusch kleingehackt ergibt ungefähr 2-3 Esslöffel kleingehackter Petersilie. Dieses Grünzeug verteilst du nun großzügig über das rote Kartoffelzeug im Topf. Sieht gleich nochmal leckerer aus, oder? Kleinhacken kannst du die Petersilie am besten mit einem Wiegemesser. Da dies recht selten im Haushalt anzutreffen ist (in meinem gar nicht und bei keinem Bekannten), geht auch ein Kochmesser!

Das war’s. Es ist gut möglich, dass du jetzt noch mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken musst. Aufgrund der vielen tomatigen Bestandteile kannst du auch noch ein, zwei Prisen Zucker dazuwerfen. Zucker bringt bei Tomatenfutter immer einen gewaltigen Geschmacksschub!

Fazit: Die Spanischen Kartoffeln sind eine einfache Möglichkeit, Kartoffeln mal anders zuzubereiten. Es schmeckt sehr, sehr lecker.
Die Spanischen Kartoffeln sind vegan. Für die fleischfressene Fraktion unter uns (ich gehöre auch dazu) läßt dieses Rezept viele offene Erweiterungsmöglichkeiten. Ich habe mich heute für Hackfleischbällchen entschieden. Funktionierte hervorragend!

Da ich beim Kochen wegen der Kinderverträglichkeit aufs Chili verzichtet habe, reichte ich grobes, getrocknetes Chili zum Selberwürzen dazu. Den Beutel hatte ich kurz vorher aufgemacht; das Chili war also frisch. Und so wirkte es auch: hammerscharf und porentief reinigend! LECKER! 🙂 Wenn du kannst, mach das gleich beim Kochen mit rein. Ich bin mir sicher, dass dir danach der Rachen brennt! Wie ein Drache! 😉

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