Eine gute Frage: Warum solltest du selber kochen? Es gibt doch schließlich verdammt viele Gerichte, die fertig zu kaufen sind. Einfach aufreißen, aufschneiden oder aufbrechen – dann mit heißem Leitungswasser verdünnen, in der Mikrowelle bestrahlen, im Ofen fertigbacken. Und gut ist. Es gibt inzwischen kaum etwas, was nicht auf diese Art und Weise des Kochens zusammengestaucht und gemixt wurde. Selbst Rührei-Baquette habe ich in der Tiefkühltruhe gesehen. Für mich der letzte Beweis, dass die Menschheit dem Wahnsinn verfallen ist. Die ganze Menschheit? Nein ….

… es gibt eine nicht wegzudiskutierende Gruppe von Menschen, die sich noch selbst an den Herd stellen. Menschen, die mit flinken Messern, rührenden Küchenmaschinen und schwungvoll geführten Kochlöffeln gar wundersam leckere Speisen auf den Tisch bringen können. Und das schöne ist – diese Randgruppe der menschlichen Zivilisation wächst. Und ich bin ein Teil davon. Und froh darüber! Wirklich!

Wie ich zum Kochen kam

Vor nicht allzufernen Zeiten lebte ich noch auf der anderen Seite und bin vermutlich zum Teil Schuld daran, dass die Konserven- und Fertigsuppenindustrie sich so prächtig entwickelt hat. Immerhin war ich so eine Art Hauptsponsor; jedenfalls wenn ich an meinen Speiseplan denke. Nudelsuppe machte ich aus Nudeln und Hühnerbrühe aus dem Glas. Ab und zu gab es diese Fertiggerichte, die man in der Mikrowelle nur warm machen mußte. Rinderrouladen mit Kartoffelpü und Rotkohl, fällt mir da spontan ein. Ganz oft gab es dieses TK-Gyros, auf perfide Art und Weise in der Mikrowelle warmgemacht. Igitt. So war ich. Damals, als ich noch jung und verfressen und dick und erfolglos und Single war.

Dann kam die Liebe.

Und danach meine Mutter zu Besuch.

Und ich begann zu kochen. Ich hatte ganz plötzlich das Bedürfnis, diesem ganzen ungesunden, fertigen Zeug abzuschwören. Ich wollte selber kochen. Und ich bekam ein Gefühl dafür, wie leicht es ist, sich selbst eine leckere Mahlzeit zu bereiten. Ein paar Kartoffeln schälen, kochen, zerstampfen und mit Milch verrühren. Salz, Pfeffer und Muskat dazu. Vielleicht noch eine Butterflocke einmassieren. Dazu Pilze oder Frikadellen (selbst gemacht) oder Bratwurst (nicht selbst hergestellt). Ich habe Obstsalat gelernt und mich von einer Schüssel eine Woche lang ernährt. Ich konnte mich diebisch freuen, wenn ich auf dem Markt den halben Obststand leergekauft habe. Ich konnte plötzlich Tomatensalat und Gurkensalat zubereiten und mit einem einfachen Brötchen als Abendessen genießen. Ich habe Hühner ausgekocht und aus der leckeren Brühe Brühreis oder Nudelsuppe gemacht. Ich erfuhr, wie einfach und unkompliziert Gulasch hergestellt und aus den Resten Gulaschsuppe gekocht wird. So fing ich an zu kochen.
Ich fühlte mich richtig gut dabei und ich nahm ab. Ok – letzteres konnte auch die Folge meines plötzlich erwachten Sportsgeistes sein, den ich in täglichen 40km Radfahren am Abend auslebte. Sehr zu empfehlen, wenn man abnehmen will.

Warum also solltest du – ja DU – selber kochen?

Ich kann dir versprechen, dass selber kochen eine gewisse innere Ruhe bringt, Abstand zum Alltag herstellt und dich in einen Zustand tiefer Befriedigung versetzt. Kochst du selbst und es schmeckt dir was du da fabrizierst hast – dann ist das unbeschreiblich. Genieße das eigene Werk! Und dabei wissen, was drin ist. Obwohl mich das im Detail nie so richtig interessiert hat. Jedenfalls nicht so, wie mir das diese neumodischen Aufklärungsdokus zum Thema Essen immer weismachen wollen. Aber in gewissem Maße spielt dieses Wissen um das innere Wesen deines Essens auch eine Rolle. Immerhin kennst du die Zutaten im Rohzustand und hast sie allesamt eigenhändig in das Essen verwandelt, welches da vor dir steht und dir schmeckt.

Oder auch nicht. Du darfst dir bloß nicht einbilden, dass jedes Essen gelingt. Nein, nein – kulinarische Tiefschläge harren deiner täglich an Schneidebrett und Herd. Aber lass dir eines aus Erfahrung sagen: sie sind selten. Denn mit dem wiederholten selber Kochen kommt Wissen und Weisheit dazu. Du könntest u.U. zu lernen gezwungen sein, dass du Öl nicht unbewacht in einem Topf auf einer heißen Herdplatte stehen lassen solltest. Es brennt herrlich und qualmt dir die Bude zu. Du musst aber in dem Fall wissen, dass du im ersten Moment nur einen Deckel auf dem Topf unterbringen musst und dann die Fenster öffnest, in der Hoffnung, dass der Qualm nicht die Feuerwehr anlockt.
Du möchtest auch nicht lernen was einem Brötchen widerfährt, wenn du es morgens in deiner Kombi-Mikrowelle aufbacken möchtest und vergißt, dass du am Abend vorher auf höchster Mikrowellenstufe Wasser heiß gemacht hast. 4min … in der Zwischenzeit ins Bad … Frisch machen … raus aus dem Bad und eine Wohnung mit Sichtverhältnissen unter 1m vorfinden. Bezauberndes Rauch-Wabbern, wenn du durch das Öffnen von Türen und Fenstern für Durchzug sorgst und besorgte Passanten und Mitbewohner vorsichtig nach Rettungskräften fragen. Das absolut Erstaunlichste an dieser Erfahrung ist das unbeschreiblich geringe Gewicht des Brötchens!

Von den zahllosen Gelegenheiten, bei denen du zuviel Salz oder PFeffer oder Chilli zum Würzen verwendest, will ich nicht sprechen. Das ist … normal! Und es sollte dich keineswegs vom Kochen abschrecken. Das ich diese selbsterlebten und selbst heraufbeschworenen Küchenkatastrophen hier so erzähle soll dich ermuntern, es selbst zu versuchen. Denn – wenn argeres passiert wäre, würde ich jetzt nicht hiersitzen und diese Zeilen tippen, oder?

Rezepte, die du selber kochen kannst

Also – nur Mut. Stöbere hier auf Ichkochwas.de in den Rezepten. Ich versuche sie so einfach wie möglich zu beschreiben und ich habe sie (fast) alle selbst so gekocht. Ich habe Spaß dabei gehabt. Ich habe mich in der Bewunderung der Mitesser gesuhlt und bescheiden das Haupt gesenkt, wenn sie Lobeshymnen erhoben. Nachdem sie mein Essen gegessen haben! Ich habe feurige Blitze meinen Kritikern zugeworfen, wenn mal wieder „zu viel Salz“ dabei war oder zu wenig Essig oder ich auf den Einsatz von Kräutern verzichtet habe. Nur ich wußte nämlich, dass ich nicht auf sie verzichtet sondern sie schlicht und ergreifend vergessen hatte.

Es gibt so viele Gründe, selbst mit dem Kochen anzufangen. Der wichtigste aber ist: Du. Denn selber kochen ist zwar aufwändiger als Fertigfutter warmmachen, aber selber Kochen ist gut für dich und dein Befinden. Probiere es aus.

Schreibe mir, wie du zum Kochen gekommen bist und was dein Lieblingsessen oder dein größter Reinfall gewesen ist.

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