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Es begab sich kürzlich, da erlegten wir einen Winzer. Das geschah in einem der zahllosen Weinberge am Bodensee. Es ist schwer, hier spazieren zu gehen ohne einen Weinberg zu tangieren und einen Winzer zu erwischen. Und dieser Winzer lag da nun rum und wir mussten was daraus machen. Also bereiteten wir ein leckeres Gulasch, welches etwas anders als ein normales Gulasch werden sollte. Der Name aber war klar: Winzergulasch.

Der selbsterlegte Winzer ist natürlich erfunden. Ich hoffe, du hast das nicht ernsthaft geglaubt. Weinberge und Winzer gibt es wirklich am Bodensee und das dieses Rezept „Winzergulasch“ heißt, ist ebenfalls wahr. Das Rezept stammt aus dem Kochbuch „Lecker – Hausmannskost De Luxe„. Wir kochten dieses Rezept genauso nach und es war einfach lecker. Das tolle an diesem Rezept ist außerdem, dass ich nicht vergessen habe, zu fotografieren. Wenn auch nur mit dem Handy. 😉

Die Zutaten

für 5 Personen

  • 1kg Gulasch (gemischt)
  • 2 Zwiebeln
  • 75g geräucherten Speck
  • 1kg Kartoffeln
  • 750g Karotten
  • 2EL Butterschmalz
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1TL Thymian, getrocknet
  • 1/4l Rotwein
  • 1/2l Instantbrühe
  • 3 Scheiben Toastbrot
  • 2EL Butter
  • Vorbereitung:
  • Kochzeit:
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Winzergulasch mit Gulasch-Fleisch, Kartoffeln und Karotten

Winzergulasch mit Gulasch-Fleisch, Kartoffeln und Karotten

Wir haben uns für den Einsatz unseres Bräters entschieden. Der lümmelte bisher immer auf dem Küchenschrank ein vergessenes Dasein. Jetzt war das schon das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, das er zum Einsatz kam. Der Bräter ist groß genug, um die größere Menge Nahrung im Ofen beisammen zu halten. Perfekt. Der Bräter war übrigens ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern. Danke Mama, danke Papa nochmal an dieser Stelle. (Das ist ein kostenloser Geschenktipp: Ein Bräter ist ein tolles Geschenk zu Weihnachten!)

Das Gulaschfleisch wird genauso vorbereitet wie beim normalen Gulasch. Also das Fleisch wird gewaschen, gut abtropfen gelassen und dann in mundgerechte Form gebracht. Weiß der WinzerGeier, warum Gulasch nach wie vor in größeren Quadern geliefert wird. Allein die Vorstellung, wie lange man an so einem Brocken zu kauen hat, reicht mir schon. Wenn auch du diese Rind- und Schweinfleischklötze hast, dann schnapp dir dein scharfes Fleischmesser und ein Schneidebrett und säbele alles noch mal nen Zacken kleiner. Kleinere Fleischstücke bedeuten dann auch eine kürzere Kochzeit! (Das war wieder ein Tipp!)

Die Zwiebeln werden geschält, gewaschen und gewürfelt. Wie das funktioniert, kannst du hier auf ichkochwas.de in diversen anderen Rezepten nachlesen (z.B. hier).
BTW: Ich habe gestern bei Jamie Oliver gesehen, dass der die Zwiebel genau andersherum „anschneidet“ wie ich. Also der fixiert die Zwiebel und schneidet dann (wie ich) mehrmals in die Zwiebeln, ohne dabei die einzelnen Stücke von der Gesamtzwiebel zu trennen. Jamie O. macht das aber mit zum Körper zeigender Messerspitze – ich mach das anders herum. Ich war erstaunt und muss das unbedingt bei der kommenden Zwiebelschneiderei ausprobieren.

Den Speck kannst du in Streifenform verwenden. Entweder du hast Speck en block – dann musst du die Speckstreifen selber herstellen. Oder du besorgst dir so dünne, durchwachsene Speckscheiben beim Metzger deines Vertrauens. Wir hatten noch Speckwürfelchen im Haus und haben die einfach verwertet. Dadurch sparten wir uns die Speckschneiderei.

Dreimal darfst du raten, wie du mit den Kartoffeln und Karotten verfahren musst. Na – irgendeine Ahnung?
Vor den Genuß hat der Patron der Hobbyköche das säubern gesetzt. Die Kartoffeln und Karotten werden geschält, gewaschen und in Scheiben verwandelt. Das schöne an dieser Schritt ist, dass du nicht viel Mühe auf die Scheiben verwenden musst. Einfach in dicke Stücke säbeln und fertig. Lagere die Kartoffel-Scheiben und Karottenscheiben getrennt voneinander irgendwo zwischen.

Damit sind wir vorbereitungstechnisch fast am Ende. Du musst jetzt noch den Wein probieren und kannst dich dann so gestärkt ans Kochen machen.

Zuerst werden wir das Fleisch braten. Entweder du gehörst zu den glücklichen Köchen, die eine Herdplatte haben, welche einen ganzen Bräter befeuert, dann kannst du gleich den Bräter nutzen. Hast du nur kleinere Wärmequellen zur Verfügung, dann weiche auf einen separaten Topf aus und brate das Fleisch in mehreren Durchgängen an.

In das Bratgefäß haust du das Butterschmalz und macht dieses richtig heiß. Dann brätst du das Fleisch darin scharf an. Scharf anbraten heißt nicht, dass du zentnerweise Chilli gleich hinterherwirfst, sondern, dass du das Fleisch unter großer Hitze von allen Seiten anbrätst. Das geht normalerweise recht fix, wenn du a) das Fett genügend heiß gemacht hast und b) nicht zuviel Fleisch auf einmal in den Topf haust. Zuviel Fleisch führt nämlich dazu, dass das Fett schnell abkühlt. Das sich am Topfboden Bratensatz festsetzt liegt in der Natur der Sache und braucht dich nicht zu beunruhigen. Du solltest sogar zusehen, dass du Bratensatz hast. Der bringt dann die richtigen Aromen in die Soße.

Hast du das Fleisch angebraten wirfst du Zwiebeln und Speck gleich dazu und brätst alles noch kurz zusammen weiter. Mit Salz und Pfeffer würzt du das Fleisch kräftig. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Zuviel ist ebensowenig toll wie zuwenig. Ich werfe das Zeug immer vorsichtig-verhalten, rühre alles um und koste dann von dem bisschen Bratensaft am Boden. So habe ich einen ungefähren Wert und kann nach- oder gegenwürzen, wobei letzteres wesentlich schwerer ist.

Sorge dafür, dass das Fleisch sich spätestens nun im Bräter befindet und darin schön verteilt ist.

Heize den Herd vor. Bei Ober-Unterhitze gehst du auf 175°C; Umluft kommt mit 150°C aus.

Verteile jetzt die Kartoffelscheiben auf dem Fleisch und würze wieder mit Salz und PFeffer. Vergiß auch nicht den Thymian, von dem du so nen halben TL über den Kartoffeln vertreust.
Jetzt bilden die Karotten eine weitere Schicht. Verteile die Karottenscheiben gleichmäßig im Bräter. Geh wiederum mit Salz, Pfeffer und dem restlichen Thymian drüber.

Winzergulasch im Bräter

Winzergulasch im Bräter - vor dem Ofengang. Ein Klick auf das Bild bringt dich zu meinem Bräter.


Ich habe dann gleich die Instantbrühe gemacht. Eineinhalb EL Rinderbouillon wären angebracht, hatte ich aber nicht. Also griff ich zu meiner bewährten Mischung aus Gemüsebrühe und Hühnerbrühe. Hat auch funktioniert. 🙂
(Tipp: Am schnellsten geht die Brühe mit dem Wasserkocher. Wasser heiß machen, in einen Messbecher abmessen und mit der Brühe eintrüben. So kann man sehr einfach die rezeptmäßig vorgeschriebene Menge Brühe herstellen und auch vorkosten. Wichtig: Koste die Brühe! Würdest du sie so wie sie ist trinken wollen? Wenn du dir diese Frage mit „Ja, ich würde.“ beantwortest, dann ist die Brühe genau richtig. In jedem anderen Fall arbeite an der Brühe bis du die Frage bejahen kannst.)

Koste jetzt noch einmal vom Wein, ob er nicht in der Zwischenzeit schlecht geworden ist.

Wenn der Wein noch gut ist, kippe einen Viertelliter davon in den Bräter. Die Brühe freut sich darüber, dem Wein Gesellschaft zu leisten.

Jetzt kommt der Deckel auf den Bräter und der Bräter in den Ofen. Zack – für 60min war’s das. Je nach Größe deiner Fleischklötze musst du die Schmorzeit auf bis zu 2h verlängern.

Kurz vor Ablauf der Zeit zerbröseltst du die Toastscheiben.
Hole den Bräter nach 60min aus dem Ofen. Vorsicht: er ist heiß! Verteile die Toastbrotbrösel im Bräter. Die Butter flockst du gekonnt darüber. Einfach dünne Stückchen abschneiden und auf die Toastbrösel legen. Deckel wieder drauf und nochmal für 40min in den Ofen. Dieser Schritt sorgt für eine wirklich tolle Kruste über dem restlichen Gulasch.

Und weiter geht’s.

Ach nein – fertig. Das war’s schon. Damit ist das Winzergulasch fertiggestellt. Bereits während der Ofenphase verströmt er einen verlockenden Geruch, der für geweitete Nüstern der Anwesenden sorgt. Serviert wird das Winzergulasch in tiefen Tellern. Dazu reicht man … eigentlich gar nichts. Das Winzergulasch genügt sich selbst voll und ganz. Am Boden des Bräters bildet sich eine sehr schmackhafte, wenn auch dünne Soße. Wir haben die nicht extrahiert und angedickt. Muss definitiv nicht sein. Einfach beim portionieren ein wenig mit einer kleinen Soßenkelle etwas Brühe entnehmen und über der Portion verteilen.

„Fleischwürfel und Gemüse schmoren so lange in Rotwein und Bouillon, bis sie auf der Zunge zergehen.“ (Zitat aus „Lecker – Hausmannskost De Luxe„)

Und genauso ist es. Das Winzergulasch ist ein Gedicht von Futter. Und – allen zur Beruhigung – es muss kein Winzer daran glauben. 🙂

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