Köttbullar – Standardessen beim IKEA-Besuch. Neulich wollte ich mich selbst an Köttbullar versuchen und ich habe das Experiment gewagt. Die Herstellung der Hackfleischbällchen a’la Köttbullar war um einiges interessanter und anspruchsvoller als vorab angenommen, doch sind die kleinen Klopse durchaus ansprechend geworden. Von der Form abgesehen. Mir ist nach dem Köttbullar-Experiment absolut unklar, wie die Dinger rund bleiben sollen. Egal. Die Soße war ein Traum und stand der Köttbullar-Soße vom IKEA in nichts nach. Leider mussten wir auf die obligatorischen Preiselbeeren verzichten, da wir diese zwar auf dem Einkaufszettel hatten, dort aber klassisch übersahen.

Dies ist nicht die Geschichte des Versehens, der zum Nichtkauf von Preiselbeeren führte. Dies ist das Rezept für selber gemachte Köttbullar mit Soße. Das Kartoffelpüree, welches wir dazu verspeisten, wird nur am Rande erwähnt.

Die Zutaten

für 6 Personen

Köttbullar-Rezept

  • 600g Hackfleisch, gemischt
  • 2TL Salz
  • ½TL Pfeffer
  • 2 Zwiebel
  • 2 Eier
  • 3 Kartoffeln
  • 100ml Sahne
  • 50ml Wasser
  • 1 Prise Zucker
  • Butter, etwas Öl
  • 2 Pimentkörner

Für die Sauce:

  • 400 ml Fleischbrühe
  • 2-3 EL Mehl
  • 100 ml Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • 2 Lorbeerblätter
  • 3 Pimentkörner
  • 1 Schneebesen

Das braucht man

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Alles in allem hält sich der materielle Aufwand in annehmbaren Grenzen. Preislich gesehen sind Köttbullar ein günstiges Rezept.

Das Kochen kann man sich gut in drei Etappen einteilen. Wir fangen mit den Kartoffeln an. Diese werden wie Pellkartoffeln gekocht. Also Kartoffeln grob waschen, nicht schälen(!), in einen Topf geben, Wasser rein, Deckel auf den Topf und ab auf den Herd. Wenn das Wasser kocht, rechne so je nach Kartoffelgröße mit 20min oder mehr. Dann dürften die Pellkartoffeln weich sein. Nach einem kurzen Abschrecken (buhhhh!) werden die Kartoffeln abgepellt (daher der Name Pellkartoffeln!) und die Kartoffeln mit einer Gabel richtig gut zermantscht. Anschließend die Kartoffelmasse einfach beiseite stellen.
(Klar kann man die Pellkartoffeln auch im Schnellkochtopf machen. Aber bei 3 Kartoffeln käme ich mir dabei vor, als wenn wenn ich mit Kanonen auf Spatzen schießen würde.)

Jetzt wird die Köttbullar-Rohmasse hergestellt, die danach für mindestens eine Stunde ruhen kann. Weil wir dann also etwas Zeit haben, machen wir uns gleich ans Werk und bereiten das Hackfleisch zu.
Schnapp dir eine große Schüssel und kipp das Hackfleisch rein. Mit einer Gabel zerstöre ich diese Hackfleischquader einfach indem ich die Fleischmassen zermantsche. Irgendwann hatte ich mal die Erfahrung gemacht, dass sich Hackfleisch so besser weiterverarbeiten läßt. Anschließend köpfe ich zwei Eier und lasse deren Inneres auf die Hackmasse klatschen. Dabei gebe ich sehr genau darauf acht, dass keine Eierschale mit reinplumpst, die später dann für leichtes Entsetzen beim Essen sorgt, wenn man draufbeißt. Ein unangenehmer Moment, den wir vermeiden wollen.

Die Zwiebeln werden entkleidet, gewaschen und richtig klein geschnitten. Ich mach das immer mit einem Messer. Wer sich nicht zutraut, Zwiebeln wirklich, wirklich klein zu schneiden, der schmeißt die Dinger einfach in den Gemüsezerkleinerer seiner Küchenmaschine. Die kann das auch übernehmen. Anschließend wirf das Zwiebelklein zum Hackfleisch.

Bis jetzt ist es ein ganz normales Hackfleischbällchenrezept. Aber nun kommt der Clou und … ich gebe ihn jetzt so weiter, wie ich es besser gemacht hätte. (Erfahrung ist ne feine Sache – leider macht man sie immer erst kurz nachdem man sie gebraucht hätte!) Die noch fehlenden Köttbullar-Inkredenzien hatte ich noch separat zum Hackfleisch geworfen. Heute würde ich das so machen:
Das Wasser wird zum Kartoffelpamps vom Anfang geschüttet. Mittels Gabel oder Kartoffelstampfer wird so aus dem trockenen Kartoffelbrei eine sämige Kartoffelmasse, die sich besser verarbeiten läßt. So trocken mit einer Gabel zerteilt erwischt du nie alle Kartoffelstückchen. Beim Formen der Klopse später stören die Kartoffelstückchen. Deshalb würde ich heute mit dem Wasser ein dickes Kartoffelpüree herstellen und dieses dann zum Hackfleisch geben.
Die Sahne kippe gleich dazu.

Hast du keinen Piment in Pulverform, greife zu einem Mörser mit Stößel, schmeiß da so 5-6 Pimentkörner rein und, mahle diese mit dem Stößel klein. Das ist eine extrem befriedigende Arbeit. Ich stellte mir automatisch dabei vor, dass so die Köche vergangener Äonen ihre Gewürze und anderes aufbereitet haben.
Gut die Hälfte des Piment-Geraffels gibst du zum Hackfleisch.

Jetzt heißt es Händewaschen und dann …. ab in die Hackfleischpampe mit den Patscherchen. Und kneten und mischen und kneten und …. Rechne nicht damit, dass die Masse irgendwann mal dicker wird. Das wird sie nicht! Mir erschien es absolut unmöglich, daraus jemals Hackfleischbällchen machen zu können. Und zum Teil zumindest wurde ich da nicht enttäuscht … 🙂
Wenn du alle Zutaten untrennbar miteinander vermantscht hast, dann stell die Schüssel für ne Stunde in den Kühlschrank, damit der Mampf gut durchzieht.

Meanwhile …
In der Zwischenzeit schnappe dir einen Topf, fülle diesen mit ca. 500ml Wasser und stelle diesen auf den Herd. Hau so ½ EL Fleischbrühe und ½ EL Gemüsebrühe dazu. Wirf 2 Lorbeerblätter und den Rest vom gemahlenen Piment mit in die Brühe. Stell den Herd an und lasse dieses Gebräu einfach köcheln. Das kann die ganze Zeit köcheln. Hin und wieder musst du nur etwas Wasser dazukippen. Es sollten aber nicht wesentlich mehr als 500ml Brühe ergeben.
Und keine Panik, wenn es verschärft nach Piment und Lorbeer duftet (was nicht jedermanns Sache ist) – da wird wirklich eine schmackhafte Soße draus! Versprochen!

Kommen wir jetzt zum nächsten interessanten Abschnitt: Köttbullar braten.
Greife zu einer großen Pfanne und mache etwas Öl darin heiß. Hole die Rohmasse aus dem Kühlschrank, entnimm ihr so etwas mehr als einen EL der Hackfleischmasse und … versuche daraus ein Bällchen zu formen. Hahahaha … Das gelingt nur bedingt. Selbst wenn du das schaffst, lege das bällchenähnliche Gebilde in die Pfanne. Es wird vermutlich gleich durch die eigene Masse zusammengedrückt und nimmt eine Form zwischen Medaillon und etwas sehr merkwürdigem, abstrakten an. Das ist normal und eigentlich total egal. Aber es verdeutlicht auch, dass die in der ikearianischen Küche da herumtricksen, wenn die runde Köttbullar produzieren.
Wenn du an dieser Stelle „bescheißen“ willst kannst du gern auch vor dem Formen noch etwas Semmelbrösel in die Hackfleischmasse untermischen. Ich hatte keine Semmelbrösel im Haus. Ich musste so arbeiten. Ich gab es nach einigen Versuchen auf, runde Köttbullar-Bällchen produzieren zu wollen.

Lasse die Bällchen ruhig eine Weile braten ohne sie zu wenden. Durch das Anbraten bekommen die tatsächlich so etwas wie eine Kruste, welche die Masse zusammenhält. Beim Drehen der „Köttbullar“ nahm ich einen Löffel und eine Gabel in je eine Hand und drehte die Dinger so in der Pfanne um. Damit verhinderte ich sehr erfolgreich, dass die Klopse auseinanderfallen. Nach dem ersten Wenden verteile ein wenig Butter zwischen den zukünftigen Köttbullar. Das bringt erstens mehr Geschmack in die Teile und zweitens eine hübschere Farbe.

Wenn die Köttbullar fertig gebraten sind, was so sicher 20 – 30min dauert, da sie nur leicht brutzeln, entnimm sie wieder mit Gabel und Löffel der Pfanne und lagere sie in einer Schüssel.

Miß von der nach wie vor köchelnden Brühe so 400ml ab und kippe die in die Pfanne. Damit löst du hervorragend den Bratensatz und außerdem gehen die Brataromen in die Brühe über. Absolut empfehlenswerter Schritt! Lasse alles ein wenig aufköcheln und dann schütte den Pfanneninhalt in einen Topf. Da hinein schüttest du noch die Sahne für die Soße. In eine Tasse löffelst du so 3 EL Mehl, läßt ein wenig kaltes Wasser dazu laufen und verrührst alles mit einer Gabel zu einer Mehlbrühe. Wenn der Topfinhalt wirklich kocht(!), lasse langsam die Mehlbrühe hineinlaufen, indes du mit einem Schneebesen fleißig rührst. Die Brühe wird dicker … und wird zur Soße, die du anschließend mit etwas Salz und Pfeffer abschmeckst.
Das war für mich ein verblüffender Moment, denn … die Soße schmeckte wie Köttbullarsoße! Der Hammer!

Die Köttbullar selbst gab ich dann wieder in die Soße. Das Essen ist fertig!

Das ganze Essen? Und was gibt’s dazu?

Ich wollte Bandnudeln dazu machen, musste aber feststellen, dass ich keine im Hause hatte. Also machte ich „fix“ aus einem Sack Kartoffeln ein Kartoffelpüree. Das ist Routinearbeit und gelingt immer. Habe ich das schon mal aufgeschrieben? Muss mal schauen.

Fazit: Das Essen mit Kartoffelbrei und Köttbullar in Köttbullar-Soße war ein Gedicht! Die Kids waren restlos begeistert und haben gefuttert wie die Scheunendrescher. Ich habe viele „Daumen-hoch“ kassiert. Niemandem ist aufgefallen, dass eigentlich Preiselbeeren dazu gehören. Das nächste mal passe ich auch auf, dass wir welche haben. Denn eines ist sicher: ein nächstes Mal wird es mit den Köttbullar auf jeden Fall geben. (dann auch mit eigenem Foto 😉 )

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