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Ein Gulasch ist stets ein Gaumenschmaus. Ein Gulasch mit Zimt und Nelken ist ein weihnachtliches Fest für die Geschmackssinne. Das durfte ich gerade erst vor wenigen Tagen erfahren, denn kurz vor dem Weihnachtsfest 2012 flatterte mir ein Rezept in den Kochtopf, in welchem ein herzhaftes Gulasch mit einer sehr weihnachtlichen Note vorgestellt wurde. Gulasch mit Zimt? Mit Nelken? Das ist ja mal was ganz neues. Da ich bekanntermaßen ein Gulasch-Fan bin musste ich dieses Gulasch-Rezept nachkochen. Ich habe es nicht bereut … im Gegenteil!

Ich komme bereits an dieser Stelle etwas ins Schleudern. Immerhin habe ich bereits an verschiedenen Stellen Gulaschrezepte notiert (u.a. die Variante für den Schnellkochtopf-Gulasch) und damit alle notwendigen Herstellungsschritte detailliertest notiert. Soll ich erneut bei Adam und Eva oder den Azteken anfangen, oder gleich beim Trabant beginnen und schnurstracks in Richtung Mercedes Schwung holen?

Ach – fangen wir einfach an … es wird wohl ein „Mittelweg“ werden.

Die Zutaten

  • 1kg Gulasch (wir hatten Rindergulasch)
  • 4 Zwiebeln
  • 0,5Liter Rotwein
  • 1 Stange Zimt
  • 6-7 Gewürznelken
  • Pfeffer
  • Salz
  • Paprikapulver, scharf
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 0,5 Liter Fleischbrühe
  • Öl (Sonnenblumenöl)
  • 1 Becher Sahne
  • Senf
  • Vorbereitung:
  • Kochzeit:
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weihnachtliches Gulasch mit Zimt und Nelken

Gulasch mit Zimt und Nelken (Foto: Manfred Morgner)

Wie bereits angedeutet, hatten wir ein reichliches Kilo Rindsgulasch vom Metzger erstehen können. Für dieses Rezept kannst du aber auch gern Schweinegulasch oder gemischtes Gulasch verwenden. Rindergulasch hat den Vorteil, dass das Fleisch per se schon dunkel ist und du nicht so um die dunkle Farbe der Soße ringen musst. Meine Vorarbeiten hielten sich aufgrund des qualifizierten Engagements des Metzgers in Grenzen. Dieser hatte es nämlich vorgezogen, das Gulasch in wirklich mundgerechten Häppchen zu verpacken. Wenn du dein Gulasch auspackst und dir aufgrund der großen Brocken arge Zweifel an der Dehnbarkeit deiner Kiefermuskeln kommen, solltest du dir ein Schneidebrett und ein Fleischmesser schnappen, um die Fleischberge selbst in mundgerechte Stücke zu säbeln. Es ist schwierig an dieser Stelle konkrete Maße zu nennen, denn jeder definiert „mundgerecht“ anders.
Auf jeden Fall empfehle ich dir aber, das Fleisch vorab zu waschen. Nicht baden! Dazu greifst du schlauerweise zu einem Salatseiher oder eine 1 Abtropfschüssel, kippst das Gulaschfleisch hinein, schwenkst es ein wenig unter laufenden Wasser durch und hast den Waschgang bereits erfolgreich beendet. Das ganze gammelige Restblut des Gulaschspenders wird dabei gekonnt weggespült.

Noch ein Wort zum Rotwein: nimm dir einen fruchtigen Rotwein. Keinen trockenen Rotwein. Eher halbtrocken. Nicht lieblich. Frage notfalls im Supermarkt den Rotweinverkäufer deines Vertrauens, ob er nicht zu einer spontanen Verkostung bereit ist. Oder suche gleich ein Rotweinfachgeschäft auf und fordere dort unverzüglich eine Verkostung!

Das Fleisch tropft ein wenig ab (weshalb du den gefüllten Seiher am besten im Spülbecken stehen lässt).
An dieser Stelle fiel mir der Wein ein, den ich öffnete und probierte, denn ein guter Koch prüft zunächst gewissenhaft die Qualität des zukünftigen Soßenveredlers.
Da waren ja auch noch die Zwiebeln und der Knoblauch. Diese werden geschält und kurz und klein gemacht. Bei den Zwiebeln reicht es, diese in dünne Scheiben zu schneiden (was mit einem Kochmesser vortrefflich funktioniert) und der Knoblauch konvertiert in klitzekleine Stückchen. Eigentlich muss das aber gar nicht sein, denn während des Kochens verliert er eh seine feste Konsistenz. Aber ich bin es nun mal so gewohnt. (Dabei schwöre ich mir bei jeder Jamie Oliver – Sendung, dass ich auch mal einfach nur mit der flachen Messerseite auf die Knoblauchzehe haue – und diese damit aufbreche – und dann den Knoblauch einfach so in die Soße schmeiße. Ich vergesse das nur immer. Wie das Fotografieren! Es ist wie verhext. Zumal mir das meistens 10min NACH dem Essen alles einfällt!)

Mache gleich noch Wasser heiß für die Fleischbrühe/Gemüsebrühe/gemischte Brühe, what ever. Ich nehme immer ein Gemisch aus Instant-Hühnerbrühe und Bio-Gemüsebrühe. 500ml Brühe solltest du herstellen. Probiere die Brühe und wenn sie trinkbaren Geschmack (nicht zu stark und nicht zu lasch) hat, dann ist sie gut und bereit für ihren späteren Auftritt.

Nach dem ganzen waschen und kleinschneiden bzw. nichtkleinschneiden ist es an der Zeit, das Fleisch seiner Bestimmung zuzuführen: dem Bratentopf. Stelle diesen auf den Herd, aktivere diesen und kippe so 3 EL von dem Öl hinein, wenn der Topf schon recht heißt ist. Das Öl findet diese Hitze total prickelnd und wird sehr schnell sehr heiß. Das ist der Moment, in dem du zunächst das Zwiebelzeuch zum Öl gibst und ca. 3 fröhliche Zwiebelbratminuten später das Gulaschfleisch in den Topf wirfst. Das musst du nicht bröckchenweise machen, hau einfach alles rein was du an Gulasch zu bieten hast. Das zischt und spritzt und lärmt und … brät. Schnell löffelst du noch einen EL Senf dazu und verteilst den durch umrühren zwischen den Fleischlücken. (Apropos Senf. (‚tschuldigung, wenn ich schon wieder abschweife.) Bisher schwor ich immer auf den Bautzner Senf. Aber: Ich habe 2012 einen Senf kennengelernt, der x-mal besser ist: Düsseldorfer Senf. Nicht den in der Tube vom Aldi – der aber auch gut ist – sondern echten Düsseldorfer Senf aus Düsseldorf in einem nachfüllbaren Tongefäß. Ich sag’s euch: dieser Senf ist absolute Spitzenklasse. Schmeckt und ist echt scharf!) Für das weihnachtliche Gulasch hatte ich aus Gründen aber „nur“ Bautzner Senf da, den ich auch nutzte.

Das Gulasch wird jetzt so richtig angebraten. Der Herd verbleibt bitte auf „Warp 9“ (höchste Stufe!). Du musst jetzt unbedingt dran bleiben, denn in kürze kommt die Zeit, in der Gulasch manchmal schnell die Grenze zu Kohle überspringt. Aber zunächst kommt Wasser. Das tritt nämlich durch die Hitze aus dem Fleisch aus. Ich habe es dieses Mal nicht verdampfen lassen, sondern so nach 10min in einen separaten Topf umgeschüttet. Kann man wunderbar nach dem Anbraten wieder zurück zum Gulasch schütten! Das habe ich neulich gelernt. Ich selber – mit meinem Kopf!

Rindfleisch ist recht zügig richtig braun gebraten. Schweinefleisch braucht da etwas länger (Zeit, die sich beim Kochen wieder ausgleicht!). Schweinefleisch, welches von Natur aus recht hell ist, muss am Ende des Anbratens deutliche Bratenspuren aufweisen. Stell dir ein dunkel gebratenes Schweinesteak vor und du hast einen ungefähren Eindruck, wie dein Gulasch „angebraten“ aussehen soll. Bis es soweit ist, musst du einiges an Kraft und Ausdauer beweisen, denn du bist eigentlich fortwährend damit beschäftigt, den Bratensatz vom Boden zu kratzen. Mit einem Bratenwender gelingt das recht gut. Dennoch ist es mordsmäßig anstrengend, zumal die Hitze unerträgliche Ausmaße annehmen kann. Du musst tapfer sein. Sei ein Held! Kratze und wende bis du nicht mehr kannst. Dann …

… kippe 100ml Rotwein in den Topf und bewundere den dampfenden Geysir, dem du damit zum (kurzen) Leben verhilfst. Rühre ein wenig in der etwas abgekühlten Topfatmosphäre herum und löse dabei den Bratensatz vom Boden, der plötzlich wieder sein metallisches Aussehen wiederfindet. Schütte die Brühe dazu!

Schnappe dir jetzt einen Teefilter. Du kannst ein Tee-Ei nehmen oder diese Filtertüten für Tee. Letzteres haben wir! In den Teefilter wirfst du eine Stange Zimt und so 6-7 Nelken hinein …. und dann gibst du den gefüllten Teefilter zum Gulasch. Sieh nur zu, dass nicht gleich alles aus dem Teefilter rauspurzelt. Das mit dem Filter kannst du dir natürlich sparen, wenn du Spaß daran hast, am Ende die Nelken und die Zimtstange aus dem Gulasch zu fischen. Skrupellose Köche lassen das sogar die Esser machen! Unvorstellbar!

Hau so einen Teelöffel Salz und Pfeffer und scharfen Paprika hinterher (also je, nicht zusammen). Den Knoblauch beförderst du auch in den Topf.

Tja – was soll ich noch sagen. Eigentlich war’s das schon. Der Rest ist ein Kinderspiel.
Das Gulasch köchelt jetzt auf „Warp 3“ für mindestens eine Stunde vor sich hin. Unterbrochen wird das friedliche Kochen nur durch das gelegentliche Hinzufügen von Rotwein. Du schüttest so alle 20min 100ml Rotwein in den Topf. Auch wenn es noch so weh tut. Dieses Gefühl kannst du durch ebenfalls gelegentliches Probieren betäuben!

Nach gut 60min müsste das Fleisch zart und weich und sehr, sehr, sehr, sehr …. bekömmlich sein. Es duftet wie in einer Küche, in welcher gerade ein weihnachtliches Gulasch das Licht der Welt erblickt hat. Du kannst jetzt noch die Sahne zum Gulasch kippen – du musst es nicht. Die Sahne macht aus dem herrlich dunklen Gulasch ein herrlich helles Gulasch. Die dunkle Variante passt sehr gut zu Kartoffeln, die helle Version (welche ich gemacht hatte) korrespondiert hervorragend zu Bandnudeln.

Den Beutel mit den Nelken und der Zimtstange angelst du vor dem Servieren aus dem Topf und lässt ihn im Biomüll verschwinden.

Serviere dieses weihnachtliche Gulasch mit Zimt und Nelken auf einem Bandnudelbett in einem tiefen Teller. Wohl bekomm’s!

Fazit: Dieses Gulaschrezept mit Zimt und Nelken ist sehr, sehr einfach und verblüfft durch seine für Gulasch ungewöhnliche Geschmacksrichtung. Vor Weihnachten ist dieses Gulaschrezept sicher eine gute Idee!

4 thoughts on “Gulasch mit Zimt und Nelken

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  3. Also ehrlich, das Gulasch Rezept ist genial. Was ich aber noch genialer finde, ist die Art des Schreibens. Habe selten ein Rezept so mit einem grinsen und lachen in Gesicht gelesen. Es ist schon ein Hochgenuss den schreibstil zu geniesen. Ich habe jede Phase des Kochens schon vor meinem geistigen Auge mit durchlitten. Super erklärt.

    • Liebe Renate, vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich zu lesen, dass du deinen Spaß nicht nur beim Kochen hattest. So muss es sein. 🙂 Liebe Grüße vom Bodensee, Jörg.

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