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Aufgrund der hinlänglich bekannten Verveganisierung meiner Familie brauchte ich letztes Weihnachten keine Gans als Weihnachtsbraten. Das wäre dann doch ein übergroßer, wenn auch schmackhafter, Magenfüller geworden. Da ich trotzdem nicht auf ein Geflügel verzichten wollte, griffen wir zu einer Ente. Die ist von der Fleischmenge her übersichtlich im Vergleich zu einer großen Gans. Ich gedachte, die Ente im Backofen zu machen. Gefüllt werden sollte sie mit Äpfeln.

Nicht mehr unbedingt zum Kochen geeignet: von Vögeln mißhandelter Apfel. Mit Aasfliege!

Nicht mehr unbedingt zum Kochen geeignet: von Vögeln mißhandelter Apfel. Mit Aasfliege!

Die Ente besorgten wir vom gleichen Geflügelhof, bei dem wir die letzten Jahre unsere Weihnachtsgans abgestaubt hatten. Spätestens wenn ich auf dem Hof bin, kommt langsam etwas weihnachtliche Stimmung in mir auf. Es gibt dort total leckere Nudelsuppe mit Geflügelbrühe, an der man sich sattessen kann. Umsonst! Und danach noch nen Obstler, oder Kirschschnaps. Auch kostenlos. Es ist ein vorweihnachtliches Gaumeneldorado.

Äpfel hatten wir komischerweise nicht in ausreichender Anzahl da. Aber ich wohne am Bodensee! Da gibt’s Apfelhaine wie Sand am Meer. Aber ob es da noch Äpfel gibt? Im Dezember?
Es gab sie. Ich kenne da Haine, die werden aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht komplett abgeerntet. So hängen da noch bis in den Dezember hinein herrliche Äpfel an den Bäumen. Einige davon wurden noch nicht von Vögeln heimgesucht. Und genau solche Äpfel holte ich noch am Vormittag des Heiligabends 2016. Es waren Golden Delicious, die in rauen Mengen an den Bäumen hingen.
Diese Apfelsorte wird zwar eher seltener zum Kochen verwendet, aber das störte mich nicht. ‚Apfel ist Apfel!‘, dachte ich.

Was soll ich sagen: die Ente wurde ein hervorragender Schmaus zu Weihnachten. Dazu gab es einen veganen Braten für die Veggies und Kartoffelknödel + Rotkohl.

Die Zutaten

  • 1 Ente (mind. ca. 2,2 kg), am besten frisch
  • 4 Äpfel, bzw. soviel in die Ente passen
  • Apfelsaft
  • Salz und Pfeffer
  • Butter
  • Vorbereitung:
  • Kochzeit:

Das braucht man

  • 1 Schneidebrett
  • 1 Pendelschäler
  • 1 Kochmesser
  • 1 Schälmesser
  • 1 Küchensieb
  • 1 Topf
  • Küchengarn oder Holzspieße (Zahnstocher z.B.) oder Rouladennadeln
  • 1 Ofen mit Rosteinschub und tiefe Fettpfanne
.
Von den Zutaten und dem notwendigen Equipment her kann ich das Rezept nur als äußerst anspruchslos bezeichnen. Zusammen mit der wirklich, wirklich einfachen Zubereitungsart ist dieses Entenrezept sehr einsteigerfreundlich gehalten.

Die Vorbereitungen beschränken sich auf zwei Arbeitsgänge:

1. Äpfel schälen und teilen

Die Äpfel werden mit einem Pendelschäler von ihrer Schale befreit, halbiert und anschließend mit einem kleinen Gemüsemesser ausgeweidet. Anschließend schneidest du die Äpfel in grobe Apfelwürfel. Du musst das nicht machen, aber die so schon vorbereiteten Äpfel lassen sich leichter in der Ente verteilen und ergeben nach dem Ofengang eine sehr leckere Zugabe zum Essen! Du kannst natürlich auch die ganzen Äpfel in die Ente stopfen und vor dem Verzehr aus selbiger puhlen und wegwerfen. Das bleibt dir überlassen.

2. Die Ente vorbereiten

Die Ente kam mit den entnommenen, aber beigefügten Innereien (Herz, Magen, Niere, Leber) sowie dem Hals. Erstere waren ein Festtagsessen für Teddy, meinen Hund. Den Hals entsorgte ich so. Man könnte ihn bspw. zum Rotkohl geben und mit diesem auskochen. Aber – alles außer der Ente sollte vegan bleiben.
Die Ente wird unter fließendem Wasser aus- und abgespült. Dabei wirst du u.U. noch Federkiele bemerken, die aus der Haut ragen. Versuche mal die Dinger mit den nassen Fingern aus der Haut zu ziehen. Haha! Ich fluche erst einmal leise vor mich hin und zögere dann nicht mit dem Einsatz schwerer Werkzeuge. Ich griff zu einer Kombizange, die in Reichweite lag und zog damit spielend leicht die Kiele aus der Entenhaut. Ich bin gegen Skrupel geimpft!

Ist die Ente erst einmal sauer und entkielt, trocknest du das strapazierte Tier ab. Ein paar Blätter Küchenkrepp sind dafür das Mittel der Wahl. Wenn du möchtest, darfst du natürlich auch dein Badehandtuch dafür nehmen.

Jetzt muss die Ente nur noch gewürzt werden. Außer Salz und Pfeffer braucht das gute Tier nichts. Als Faustregel gilt auch hier: pro Kilogramm Tier nimmst du 1EL Salz. Vielleicht etwas weniger. Ein praktisches Beispiel? Meine Ente war knapp über 2kg schwer. Ich wollte es vorsichtig angehen lassen (es war immerhin meine erste Ente!) und nahm ca. 1,75 EL Salz. Gestrichene Esslöffel, nicht gehäuft!
Beim Pfeffer reichte mir so ein gehäufter Teelöffel.
Diese beiden Gewürze kippst du auf einen kleinen Teller oder in ein kleines Schüsselchen und mischt sie durch.
Mit dem so entstandenen Gemisch reibst du die Ente äußerlich und innerlich ein. Bis kein Gewürz mehr auf dem Teller ist. Das geht ziemlich rasant!

3. Es folgt die Füllung:

Die Ente weist an der unteren Seite ein großes Loch auf. Das ist wie geschaffen, um Äpfel dort hinein zu werfen. Und genau das machst du jetzt mit den in Schritt 1 vorbereiteten Apfelstücken.
Du musst nun noch die Ente verschließend, sonst purzeln dir die Apfelstückchen ganz fix heraus. Entweder du nähst sie mit Küchengarn zu oder du greifst du Rouladennadeln oder Zahnstochern oder anderen kleinen Spießchen und verschließt damit die Ente oben und unten.
Ich hatte Zahnstocher im Haus. Also piekste ich damit auf der einen Seite der Öffnung durch Haut und Fleisch, würgte die Öffnung zusammen und piekste auf der anderen Seite wieder durch Haus und Fleisch. Am besten fixierst du die Entenöffnung mit der linken Hand und vollführst die Schließungsarbeiten mit der rechten. (Linkshänder denken einfach anders herum!) Ab dem Gebrauch von 3 Zahnstochern bleibt das Loch ziemlich zuverlässig zu.

Mit zwei weiteren Spießen oder Rouladennadeln fixierst du die Flügel am Körper der Ente.

Das war’s an Vorbereitung.

4. Die Ente im Ofen

Setze eine Ofenfettpfanne in den untersten Ofeneinschub und kippe nen guten Liter Wasser rein.

Führe den Rosteinschub in die mittlere Schiene, drapiere die Ente mit der Brust nach unten darauf und schließe den Ofen.

Den Ofen heizt du auf 210°C hoch.

Jetzt hast du ne gute Stunde Zeit, in der du dir vielleicht bereits Gedanken über das Beiwerk machen kannst. Hin und wieder musst du aber nach der Ente schauen und vor allem den Wasserstand in der Fettpfanne kontrollieren. Unter Hitze stehendes Wasser neigt erfahrungsgemäß dazu, einfach zu verdunsten! Schütte ggf. immer wieder Wasser nach.

Die Ente im Ofen mit Fettpfanne darunter

Die Ente im Ofen mit Fettpfanne darunter


Nach einer Stunde drehst du die Ente um und belässt sie weitere 60min im Ofen. In dieser Phase ziehst du die Ente so alle 15min kurz aus dem Ofen und übergießt sie mit etwas kaltem Wasser. Das lässt die Haut schön knusprig werden. Achte bei diesem Schritt darauf, dass du die Fettpfanne ebenfalls mit rausziehst, sonst läuft dir das Wasser im auf der Ofenklappe herum. Das muss wirklich nicht sein. Du hast in der zweiten Stunde eh genug damit zu tun, das restliche Essen zuzubereiten.
Falls die Ente nach einiger Zeit für deinen Geschmack zu dunkel wird, lege etwas Alufolie über sie. Das ist ein probates Mittel!


Nach gut 2 Stunden im Ofen ist die Ente fertig. Einfach die Ente auf einer Platte drapieren und mit der Geflügelschere zuschneiden. Die Soße aus der Fettpfanne kippst du durch ein Küchensieb in einen Topf. Erhitze den Topfinhalt, kippe todesmutig so 300-400ml Apfelsaft rein und dicke die Soße noch etwas an. Ich kann dir versprechen: die Soße ist ein Gedicht!

Wohl bekomm’s!

Fazit:
Dieses Entenrezept ist sehr einfach und klappt hundertprozentig. Vom Aufwand her hält sich die Zubereitung sehr in Grenzen. Geschmacklich hat mich der Entenbraten voll überzeugt. Lecker!
Das einzige Manko an diesem Rezept ist mal wieder das fehlende Foto vom vollendet angerichteten Festtagsteller.




One thought on “Ente im Backofen mit Apfelfüllung

  1. Für Ente bin ich immer zu haben. Mit Apfel statt Orangen? Super! Muss ich versuchen! Danke für die Inspiration!

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