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Chili con carne stand neulich auf dem Speiseplan meiner Familie. Ich liebe ein gutes Chili con carne und war hocherfreut, dies erneut selbst produzieren zu dürfen.
Es kam allerdings ganz anders.

Chili con carne gehört mit Hackfleisch. Hackfleisch ist ein Fremdwort in der veganen oder auch vegetarischen Ernährung. Wenn beide Welten – also die fleischlose und -volle – für ein Essen bekocht werden müssen hat man ein Problem: man muss zwei Chili con carne machen: einmal mit Hackfleisch und einmal ohne Hackfleisch. Das nennt sich dann übrigens Chili sin carne.
Ich würde also ein Chili con carne und ein Chili sin carne so kochen müssen, dass sie gleichzeitig fertig werden. Ich hielt das für eine lösbare Aufgabe und wollte letzten Sonntag gerade damit anfangen, als das Chili sin carne aufgrund Appetitlosigkeit (Kochlustlosigkeit) der veganen Fraktion gestrichen wurde. Statt dessen kam ein abenteuerlicher Vorschlag in die Küche geflogen: „Mach doch das Chili con carne ohne Hackfleisch und das Hackfleisch extra. Dann können sich die Fleischfresser das am Tisch selbst untermischen!“ Dabei wurde sehr schlau geschaut!
In mir krampfte sich etwas zusammen. ‚DAS hat es noch nie gegeben!‘, dachte ich mir und grauenvolle Bilder drängelten an meinem inneren Auge vorbei.

Doch die Neugier siegte! Würde man ein schmackhaftes Chili con carne – ähnliches Essen kochen können, wenn man die Hauptbestandteile getrennt zubereitet? Was meinst du – hat das geklappt? Konnten wir das „Chili dingsirgendwas con Carne“ mit Genuß essen oder wurde es als Notlösung erkannt und nach wenigen Happen in den Lokus gekippt?

Ich notiere jetzt also den Masterplan zu diesem gewagten Kochexperiment und verkünde am Ende dieses Rezepts(?) ob der Plan aufgegangen ist.

Chili con carne mit/ohne Hackfleisch

Die Zutaten

  • 600g Hackfleisch (Bio, Rinderhack)
  • 2 kleine Dosen Kidneybohnen (a 250g)
  • 2 kleine Dosen weiße Bohnen (a 250g)
  • 1 kleine Dose Mais (250g)
  • 3 Dosen geschälte Tomaten (250g)
  • 1 halben EL Kreuzkümmel (gemahlen)
  • Salz, Pfeffer
  • 2 große Zwiebeln
  • 3 Knoblauchzehen
  • Öl
  • Chilipulver, Oregano, Majoran, Paprikapulver
  • 1 Zimtstange(!)
  • Vorbereitung:
  • Kochzeit:

Das braucht man

.
Bei der Zutatenliste könntest du auf den Gedanken kommen, dass es sich hier um ein Fastfood-Rezept handelt. Du könntest richtiger nicht liegen, denn kulinarisch bewegt sich die kochtechnische Herausforderung am unteren Limit des Möglichen. Man muss Kochrezepte nicht unnötig verkomplizieren. Es reicht völlig aus, das Kochen des Rezepts in endloses Palaver zu verpacken und als Rezept zu veröffentlichen. Genau deshalb schreibe ich das hier auf. Und ja … man kann auch alles selber machen, muss man aber nicht.

Als erstes befreist du die Zwiebeln sowie den Knoblauch seiner äußeren Schalung. Eleganterweise machst du dies gleich über dem Bioabfallbehälter. Anschließend schnappst du dir ein Schneidebrett und ein Kochmesser, um die Zwiebeln hübsch klein zu schneiden. Mit dem Knoblauch verfährst du genau so. Wie das ziemlich gut funktioniert kannst du in meinen entsprechenden Fachartikel „Zwiebeln schneiden – aber richtig“ nachlesen.
Spätestens an dieser Stelle vermisst der erfahrene Chili-Kocher die Chili-Schoten. Ein Chili con carne ohne Chili? Ähm … ja, genau. Ich habe auf Chili-Schoten verzichtet, da ein Teil der Esserschaft aus Kindern besteht und die es nicht scharf möchten. Für die scharfen Esser stelle ich am Ende immer gerebelten Chili auf den Tisch, so dass sich jeder der will daran bedienen kann wie er/sie will.

Chili con carne

Chili con carne
(By Carstor (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons


Eine kleingeschnittene Zwiebel wirfst du in den einen Topf, die andere Zwiebeln samt Knoblauch wandert in den anderen Topf. Du kannst das auch umgekehrt machen! Du kippst jeweils etwas Öl dazu und schaltest die Energiezufuhr unter den Töpfen ein. Es dauert jetzt ein klein wenig bis die Zwiebeln und der Knoblauch im Öl brutzeln.
Diese Zeit kannst du dir vertreiben, um schon einmal die Dosen zu öffnen. Ich habe oben angegeben, dass du einen Dosenöffner brauchst. Das kann sein, muss es aber nicht. Liegt an den Dosen, die du hast. Zwei von fünf der Dosen musste ich tatsächlich mit einem Dosenöffner bearbeiten, die anderen hatten diesen Zugverschluß, dessen Bedienung man mit der ersten Bierdose lernt. Oder Coke.

Die Kidneybohnen kippst du in ein Küchensieb/Abtropfsieb und lässt dann kurz Wasser über den Haufen laufen. Das spült diese Brühe von den Bohnen weg. Die brauchen wir nicht. (Warum eigentlich? – Weil die Brühe der Kidneybohnen so schleimig ist. Schädlich ist die nicht und du kannst die auch ruhig verwenden. Ich hab’s nur gelernt, die immer abzuspülen.) Eigentlich kannst du auch den Mais mit draufschütten und dann spülen. Die Brühe der weißen Bohnen habe ich nicht weggekippt sondern verwendet.

In des brutzeln die Zwiebeln schon hübsch in den Töpfen und werden bereits glasig. Sind die Zwiebeln schwarz und qualmt es fürchterlich aus den Töpfen, hast du zu lange für die Dosen gebraucht! In diesem Fall versuche die Töpfe wieder sauber zu bekommen oder nimm zwei neue, um erneut Zwiebeln und Knoblauch vielfach zu teilen und glasig zu brutzeln. Die Dosen sind ja jetzt schon offen und du wirst beim anbrutzeln nicht mehr abgelenkt!

Es wird nun kurzzeitig etwas hektischer …

In den Topf mit dem Zwiebel-Knoblauch-Gemisch löffest du den Kreuzkümmel und mit Maß und Rücksichtnahme auf die künftigen Esser mind. einen halben TL Chilipulver. Das brätst du so 1-2min mit den Zwiebeln mit. Anschließend kippst du die Bohnen und den Mais sowie 2 Dosen der geschälten Tomaten rein. Mit ein wenig Wasser schwenkst du die Dosen aus und löst so wertvolle Inhalte aus den Dosen, die sonst im Abfall landen würden. Nimm aber nur nicht zuviel Wasser, denn das bekommst du so schnell nicht wieder aus dem „Chili“ raus. Außerdem landet die Zimtstange im Topf.

Weil die Zwiebeln in dem anderen Topf natürlich auch noch brutzeln kippst du das Hackfleisch dazu und rührst du einmal kräftig durch.
Ich mache an dieser Stelle immer was absonderliches: ich löffel noch einen TL Bautzner Senf dazu. Ich habe mir das angewöhnt, aber so nie bei Hackfleisch-Rezepten gesehen. (Was daran liegen kann, dass ich keine Kochsendungen schaue. Ich hätte ja sonst keine Zeit, Rezepte zu schreiben!) Der Senf hat nie geschadet sondern meiner Meinung nach eine gewisse kaum bemerkbare senfige Note an das Fleisch gebracht. Sehr, sehr lecker sage ich nur.
Du erhöhst die Energiezufuhr unter dem Hackfleisch in den Warp-Modus. Bis dieses Maximum erreicht ist dauert es kurze Zeit, die du nutzen solltest.

Der andere Kochtopf mit den Bohnen köchelt vermutlich bereits leise vor sich hin. Es ist an der Zeit, etwas mit Gewürzen um sich zu werfen. Bei der Menge Dosen habe ich den ersten Würzgang wie folgt vorgenommen:

  • 2 TL Salz (gestrichen, nicht gehäuft)
  • 1 TL Pfeffer (gemahlen, nicht ganz; gestrichen, nicht gehäuft)
  • 1 TL Oregano (wie du willst)
  • 1 TL Majoran (weil mir gerade so war)

Diese Angaben sind eine gewisse Richtlinie, aber nicht bindend.
Bis auf eine etwas zu unausgeprägte Pfeffrigkeit hatte ich damit das rechte Maß ziemlich gut erwischt! Ich musste am Ende wenig nachwürzen.

Danach deckelte ich den Bohnen-Topf zu und reduzierte die Energie darunter so, dass sein Inhalt leicht weiterköchelte. Für gut 60 Minuten kommt der Topf jetzt allein klar.

Du darftst jetzt keine Zeit verlieren, willst du nicht riskieren, dass das Hackfleisch in des den Abweg zur Kohle einschlägt. Rühre geschwind den Hackfleischtopf durch und sehe zu, dass du auch den Bodensatz halbwegs lösen kannst. Reduziere aber auf keinen Fall die Energie, bleibe statt dessen wachsam am Topf und rühre immer wieder gut durch. Ziel dieses Vorgang ist es, dass Hackfleisch gut durch zu braten ohne es anbrennen zu lassen. Und bei der Höllenhitze darunter verbrennt es rasend schnell. Daher lasse dich bitte nicht ablenken. Dauert auch nicht lange. Nur so 7-10min. Länger hält man es eh nicht aus. In einer kurzen Rührpause greife dir eine Tasse, löffel da 2EL Balsamico-Essig rein und fülle die halbe Tasse mit Wasser auf. Stell‘ das in Hackfleischtopfnähe auf. Du wirst es gleich brauchen, denn …
Wenn sich der Bodensatz kaum noch lösen lässt, weil alles kurz nach dem Rühren gleich wieder am Boden festbrutzelt und das Hackfleisch eine gewisse Bratenbräune aufweist (etwas dunkler als das Grau, welches bis hierhin dominierte) dann kippst du das Balsamico-Wasser in den Topf.
Wie das zischt! Wie das dampft! (Herrlich wenn man das Gesicht genau über den Topf gehalten hat! 😉 )
Während du weiter rührst bemerkst du, dass sich durch den Essig der Bodensatz löst. Außerdem riecht es leicht säuerlich. Essig! Aber der Duft vergeht innerhalb der nächsten ein, zwei Minuten.
Leere danach die letzte offene Dose geschälter Tomaten in den Topf, schwenke diese gut mit Wasser aus und kippe die Brühe mit in den Topf. Jetzt wird wieder gewürzt. Zu Orientierungszwecken hier meine Dosierung:

  • 2 TL Salz (gestrichen, nicht gehäuft)
  • 1 TL Pfeffer (gemahlen, nicht ganz; gestrichen, nicht gehäuft)
  • 1 TL Oregano (wie du willst)
  • 1 TL Majoran (weil mir gerade so war)
  • 1 TL Basilikum (weil, weil … ach keine Ahnung mehr)
  • 0,5 TL Thymian (aus dem selben Grund wie das Basilikum)

Minimiere auch unter diesem Topf die Energiezufuhr so weit, dass der Inhalt leicht köchelt, platziere geschickt einen Topfdeckel auf dem Topf und lasse das Hackfleisch darin so lange köcheln bis der Bohnentopf fertig ist.

Eigentlich war’s das auch schon.

Bis zum finalen Abschmecken kannst du dir schon mal Gedanken darüber machen, was du zum Chili dazu reichen willst. Ich empfehle an dieser Stelle aufgebackenes Baguette. Passt einfach hervorragend zu Chili. Außerdem hatten wir wohlweislich Baguette eingekauft. 🙂

Tja … Wenn die 60min Gesamtkochzeit herum sind, schmeckst du die Bohnen sowie die Hackfleich-Soße mit Salz und Pfeffer, sowie etwas Paprika oder (mutiger) Chili ab. Ein kleiner Kniff am Rande: gib in beide Töpfe eine gute Prise Zucker dazu! Zucker gibt Gerichten mit Tomaten das gewisse Etwas! Das Essen wird nicht süß – keine Angst – aber der Zucker neutralisiert etwas die Tomatensäure. Ich habe das mal irgendwo aufgeschnappt, ausprobiert und mache es seit dem immer so. Klappt wunderbar!

Und dann heißt es Tisch decken, Brot aufschneiden und das getrennte Chili con Carne mit/ohne Hackfleisch auf den Tisch stellen.

Jetzt wurde es für mich spannend.

Alle nahmen sich von den Bohnen. Die Fleisch-Fraktion setzte einen Berg Hackfleisch-Tomaten-Soße oben drauf und vermischte alles. Meine Frau als Vertreterin der Vegetarier und ich als Angehöriger der Nichtvegetarier löffelten uns gerebeltes Chili dazu.

Es roch etwas nach Weihnachten (der Zimt!), was einige gehässige Bemerkungen provozierte.

Alle probierten.

Und alle sagten ….

„Boah – das schmeckt gut“.

Anschließend sagten wir nicht mehr soviel, weil alle mit Futtern beschäftigt waren.

Mein wiedervereinigtes Chili con carne schmeckte nicht so, wie man ein Chili herkömlich kennt. Aber .. es schmeckte mir sehr, sehr, sehr lecker. Mit dem nachträglichen, sehr optimistischen Hinzufügen von Chili wurde das Zeug sogar richtig scharf.

Der Zimt bringt eine unglaublich interessante Note an das Chili. Wir mussten nur kurz unsere Geschmacksnerven entsprechend kallibrieren! Dann war’s ein Hammer!

Alles in allem war dieses unechte Chili con carne ein Erfolg. Wer hätte das zu Beginn des Rezepts gedacht? 😉

(vor lauter Neugier habe ich nur vergessen, Bilder zu machen …. hmmmpf)

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